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Interview mit Trainer Markus Pohle
Montag, 27. April 2009 um 09:41 Uhr
Nach insgesamt 28 Spielen (darunter lediglich zwei Niederlagen) haben die Basketballdamen der Union den Aufstieg in die Bundesliga sportlich geschafft. Die Lizenzunterlagen wurden ebenfalls fristgerecht eingereicht. Nun steht noch eine Entscheidung der DBBL aus, ob die Unterlagen (darunter der Wirtschaftsplan) soweit akzeptiert werden. Es war eine grandiose Saison, deren Punkterunde die Union mit 44:0 Zählern abschloss. Und das alles ohne ausländische Spielerin. Der positive Saisonabschluss ist Grund genug für ein Interview mit dem Erfolgstrainer Markus Pohle.

   Markus, du bist mit deinem Team zum zweiten Mal in Folge Meister der 2. Liga Nord geworden. Das dürfte gebührend gefeiert worden sein...

Markus Pohle: "Na ja, gestern war Sonntag, und heute müssen wir ja alle in irgendeiner Form unseren Pflichten nachgehen, denn es gibt ja noch ein richtiges Leben. Klar haben wir im Old Montana mit unseren Fans gefeiert. Und es werden wohl noch weitere Feiern folgen. Zum Beispiel wird uns unser Sponsor, das Restaurant Herkenrath-Hof, zu einer Aufstiegsparty einladen."

   Was bedeutet dir persönlich die Meisterschaft 2009?

Markus Pohle: "Diese Meisterschaft bedeutet mir noch mehr, als der Titel in 2008. Damals war das eine Sensation, niemand hatte uns wirklich auf der Rechnung. Diesmal aber waren wir der Favorit und somit vom ersten Spieltag an die Gejagten. Mit diesem Druck muss man erst mal umgehen. Zudem mussten wir immer wieder Rückschläge verkraften, wie beispielsweise den Auslandsaufenthalt von Madita Block, den erneuten Kreuzbandriss bei Julia Kleen oder den Rückzug von Nina Kuczmann während der Rückrunde, weil sie keine Lust mehr hatte. Dann hatten wir monatelang keine Heimat, weil beide Hallen immer wieder wegen irgendwelcher Sachen gesperrt waren. So etwas beschäftigt das Team natürlich auch. Weiterhin muss man sich vor Augen halten, dass zu unserem Neuner-Kader gleich drei 17-Jährige gehören, die sich mitten in ihrer sportlichen Entwicklung befinden. Diese Punkte mal zusammengezählt muss ich sagen, das war unglaublich, was die Mädels geleistet haben."

   Und durch die Playoff-Niederlagen in Wedel und Osnabrück wurde der Druck immer größer...

Markus Pohle: "Das stimmt. Aber die Mädels sind beide Male in eindrucksvoller Art und Weise zurückgekommen, was mich ganz besonders stolz macht. Es ist schon eine merkwürdige Mannschaft. Den meisten Spielerinnen merkt man ihre Gemütsverfassung nie wirklich an. Erst auf dem Feld zeigen sie dann, was los ist. Manchmal ist es natürlich schwer, damit umzugehen. Aber letztendlich bin ich von keiner Spielerin, die am Ende mit zum Kader gehörte, enttäuscht worden. Ganz im Gegenteil. Es ist bewundernswert, welchen Aufwand die Damen betreiben. Als Beispiel die Aktion von Kirsten Kröger, die sich am Freitag nach einer 24-Stunden-Schicht im Krankenhaus in den Zug nach Osnabrück setzte und dem Team nachreiste. Aber das ist nur eines von vielen Beispielen."

   Wird die Union in der kommenden Saison tatsächlich erstmals in der Bundesliga spielen, und wenn ja, mit dir als Trainer?

Markus Pohle: "Nun, das Umfeld hat die Schienen für eine Teilnahme am Spielbetrieb der Ersten Liga gelegt. Nun liegt es an der DBBL, die eingereichten Lizenzunterlagen zu akzeptieren. Was den zweiten Punkt betrifft, so weiß ich, dass es in den nächsten Tagen entsprechende Gespräche geben wird. Wir werden uns alles noch mal ganz genau durch die Köpfe gehen lassen. Fakt ist, wenn wir die sportliche Qualifikation nicht geschafft hätten, wäre ich auf keinen Fall mit hoch gegangen."

   Der Etat wird sozusagen ein Mini-Etat sein. Kann man besipeilsweise ohne starke ausländische Spielerinnen in der Bundesliga überhaupt konkurrenzfähig sein? Das Vorhaben der Union, gegebenenfalls ohne Ausländerinnen an den Start zu gehen, hat bei manchen schon für Erheiterung gesorgt...

Markus Pohle: "Der komplette Kader dieser Saison inklusive der verletzten Julia Kleen soll die Möglichkeit haben, Bundesliga zu spielen. Jede Spielerin, die das möchte, wird mit zum kommenden Kader gehören. Klar ist aber auch, dass wir uns verstärken müssen. In welcher Form das passieren wird, bleibt dann abzuwarten. Wir sind natürlich nicht so blauäugig zu glauben, dass wir mit solch einer unerfahrenen Truppe dort oben die Klasse im Spaziergang erhalten können. Aber nach wie vor werden wir uns in erster Linie nach Talenten umschauen, die wir dann an das hohe Niveau heranführen wollen. Nichts anderes haben wir in den letzten Jahren ja auch getan, und das durchaus erfolgreich, wie ich meine. Natürlich sind es die starken ausländischen Spielerinnen, die der 1. Liga ihren Stempel immer wieder aufdrücken. Ich hätte auch nichts dagegen, eine Mirna Paunovic, eine Tamara Tatham oder eine Rebecca Thoresen in meinem Team begrüßen zu dürfen. Aber solch ein Transfer wird ganz bestimmt an den Finanzen scheitern."

   Klingt nach "Abenteuer 1. Liga"...

Markus Pohle: "Wir können heute, Ende April, doch noch gar nicht absehen, wie die Mannschaft im September oder Oktober exakt aussehen wird. Deshalb will ich hier nicht spekulieren. Die Erste Liga ist für die Mannschaft und den Verein mit Sicherheit alle Male eine Erfahrung wert. Jeder wird in diesem Jahr viel lernen, wenn es denn zur Teilnahme kommt."

   Gibt es denn schon Zusagen aus der aktuellen Mannschaft für die kommende Spielzeit?

Markus Pohle: "Auch diesbezüglich werden in den nächsten Tagen die notwendigen Gespräche von den Vereinsverantwortlichen geführt. Wenn denn nur drei Spielerinnen Ja zur 1. Liga sagen würden, müsste man alles noch mal insofern überdenken, als dass es sicherlich sehr schwierig werden würde, acht, neun Spielerinnen von außen hinzu zu gewinnen. Die Spielerinnen wissen, dass sie alle vom Verein aus oben spielen können, wenn sie denn wollen."

   Der Erfolg der letzten Jahre hat sogar in der von Bundesligisten gespickten Sportstadt Leverkusen mit seinen nur rund 160.000 Einwohnern für Aufsehen gesorgt. Selbst der Oberbürgermeister Ernst Küchler ist zum Fan geworden. Besteht nicht die Gefahr, dass das Interesse an dem Team nach möglichen drei, vier Auftaktniederlagen im Oberhaus wieder entscheidend nachlassen wird?

Markus Pohle: "Zunächst einmal dürfen alle Beteiligten stolz darauf sein, was sie erreicht haben. Wir haben uns gemeinsam mit unserem Kooperationspartner BBZ 95 Leverkusen die Förderung der Talente auf die Fahne geschrieben. Und genau das setzen wir hier eins zu eins um. Zudem haben wir erreicht, dass man sich in Leverkusen wieder für Damenbasketball interessiert. Gegen Wedel waren 600, gegen Osnabrück 700 Leute in der Halle. Auch der Schnitt während der Saison konnte wieder gesteigert werden. Wir wissen, dass es schwer wird, diesen Standard zu halten. Ich erinnere mich, dass nicht selten weniger als 100 Zuschauer die Heimspiele der Bayer 04-Damen gesehen haben, ehe sie dann in den Neunzigern die Bundesliga-Mannschaft komplett aufgelöst haben. Man hat es hier in Leverkusen schon mit großer Konkurrenz zu tun. Aber wenn wir weiterhin ehrliche Arbeit leisten und den engen Kontakt zu den Fans und Förderern pflegen, ist mir diesbezüglich nicht bange."

   Dann wollen wir alle hoffen, dass es unter dir als Trainer mit der Bundesliga tatsächlich hinhaut.

Markus Pohle: "Ich bin da sehr zuversichtlich."
 

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